#015 Star Wars: A New Hope Analyse - Krieg der Sterne zwischen Kurosawa, Mythen & einer Blockbuster-Revolution
"I have a bad feeling about this."
Warum ist Star Wars: A New Hope eigentlich eher Märchen bzw. warum ist Science Fiction kein Genre? In dieser Filmanalyse dekonstruieren wir das Meisterwerk von George Lucas und zeigen, wie er 1977 die Kinoökonomie für immer veränderte. Warum ist der Film die perfekte Heldenreise und wie sehr hat sich Lucas denn nun wirklich bei Akira Kurosawa bedient?
Unsere Themen im Überblick:
Die Revolution der Produktions- und Vermarktungslogik
Wladimir Propps Märchenstruktur & Campbells Monomythos
Kurosawas Erbe: Die wahre formale DNA von C-3PO & R2-D2
Produktionschaos in Tunesien & der Merchandise-Schachzug
Audiovisuelle Alchemie: Ben Burtt, John Williams & die Dykstraflex
Der Trench Run als Sieg des Mystischen über die Maschine
Das "Used Universe" und sein Einfluss auf Hollywood
Wie immer: Ein Deep Dive
Trivia macht Spaß, aber dafür sind wir nicht gekommen; Wie immer streben wir nach echter filmhistorischer Erkenntnis. Hier sind die zentralen analytischen Schwerpunkte dieser Episode:
Der Kurosawa-Code & Erzählperspektiven
Oft wird behauptet, Lucas habe den Plot von Die verborgene Festung (1958) einfach abgeschrieben, aber das greift zu kurz: Lucas dekonstruierte Kurosawas formale DNA. Der wichtigste (aber nicht der einzige) Kniff ist die Perspektive: Kurosawa erzählt seine Geschichte durch die Augen der feigen Bauern Tahei & Matashichi. Lucas übersetzte dieses Duo exakt in C-3PO und R2-D2, wodurch wir das epische Geschehen durch die Augen der Unterklasse erleben.
Archaische Mythen statt Science-Fiction
Star Wars bedient sich nicht der Sci-Fi-Logik, sondern exakt der Morphologie des russischen Volksmärchens nach Wladimir Propp. Propp identifizierte 31 narrative Funktionen: Obi-Wan Kenobi ist der klassische "Schenker", der dem Helden ein magisches Mittel (das Lichtschwert) übergibt. Der Todesstern ist keine echte Raumstation, sondern das unüberwindbare, graue Schloss des bösen Herrschers.
Vor allem aber schauen wir uns die Schritte nach Campell an, die Lucas nachweislich gelesen hat.
Die visuelle & technische Revolution
Für die Raumschlachten erfanden Lucas und John Dykstra die Dykstraflex (Motion-Control-Kamera): Dadurch konnte die Kamera millimetergenau um die Modelle fliegen, was dem modernen CGI-Kino überhaupt erst den Weg bereitete. Das Sounddesign von Ben Burtt verzichtete auf Synthesizer und nutzte stattdessen organische Sounds, wie etwa Vaders Atmen aus einem Taucherregulator und von John Williams fange ich an dieser Stelle gar nicht erst an (obwohl wir natürlich auch über ihn sprechen).
Der Trench Run
Das Finale des Films ist ein meisterhaftes Beispiel für filmisches Cross-Cutting: Ehre wem Ehre gebührt - ohne Marsha Lucas würde heute wohl niemand mehr über Star Wars sprechen.
Kinoökonomie & Einspielergebnisse
Der Film wurde mit einem Budget von rund 11 Millionen US-Dollar produziert und spielte weltweit etwa 776 Millionen US-Dollar ein. Lucas' Verzicht auf eine höhere Regie-Gage zugunsten der Merchandise-Rechte und Fortsetzungen veränderte die Unterhaltungsindustrie für immer.
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Ausblick:
In der kommenden Folge wird es um den zu Unrecht etwas vergessenen "Blood In, Blood Out" gehen und dann schauen wir uns "Das Imperium schlägt zurück" und "Die Rückkehr der Jedi-Ritter an": Kann ja gar nicht anders sein.