#020 "Carlito's Way" von Brian De Palma
Carlito's Way aus dem Jahr 1993 ist Brian De Palmas elegische Gangster-Tragödie mit Al Pacino in der Titelrolle und Sean Penn als zwielichtigem Anwalt David Kleinfeld.
In dieser Folge der Leinwandlegenden fragen wir, warum der Film einerseits als ein Höhepunkt des Gangsterkinos gilt, andererseits weniger bekannt ist als "Der Pate": Wie verhält er sich zu "Scarface" und warum scheitert Carlito ausgerechnet an seinen Tugenden?
- Wir zeigen, wie Carlito's Way und "Scarface" zusammenhängen und worin sie sich bewusst unterscheiden.
- Wir erklären, warum Carlito an seiner Loyalität und seiner Milde zugrunde geht statt an seiner Gier.
- Wir sehen genau hin, wie Score, Kamera und Farbgebung den elegischen Ton tragen.
- Wir erzählen die Produktionsgeschichte von der von realen Personen inspirierten Vorlage bis zu Sean Penns Verwandlung.
- Wir diskutieren darüber, ob der Film so viel Einsicht bietet, wie er behauptet.
Der ehemalige Drogenboss Carlito Brigante kommt 1975 nach fünf Jahren Haft über einen Verfahrensfehler frei und schwört, sich aus dem Verbrechen zurückzuziehen, um mit seiner alten Liebe Gail auf den Bahamas neu anzufangen. Aus Loyalität zu seinem Anwalt Kleinfeld lässt er sich in eine tödliche Spirale ziehen, die ihn am Anfang und am Ende auf dem Bahnhof das Leben kostet.
Drei Dinge tragen den Ruf des Films. Erstens liefert Pacino zwischen seinen lauten Paraderollen eine ungewöhnlich verinnerlichte Leistung, während Sean Penn als Kleinfeld eine der großen Nebenrollen des Jahrzehnts spielt.
Zweitens erzählt der Film die Tragödie eines Mannes, den sein eigener Ehrenkodex tötet, weil seine Gnade und seine Treue die Entscheidungen sind, die ihn das Leben kosten.
Drittens steht am Ende eine lange Wirkungsgeschichte, von der Unterschätzung im Jahr 1993 bis zur späten Würdigung durch die Cahiers du cinéma.
Beide Filme stammen vom selben Duo aus Regisseur und Hauptdarsteller, zielen aber in entgegengesetzte Richtungen. "Scarface" erzählt einen Aufstieg zur Macht in greller Miami-Sonne, Carlito's Way den gescheiterten Ausstieg im Schatten des New Yorker Kriminalkinos. Tony Montana will immer mehr, Carlito will nur noch heraus, und Pacino spielt die Figur entsprechend zurückgenommen.
Der Film arbeitet mit zwei Musikebenen, die gegeneinander laufen. Die diegetische Musik, also der Klang innerhalb der Filmwelt, kommt von Musical Supervisor Jellybean Benitez als Salsa und Merengue und verankert das Nuyorican-Milieu von 1975. Darüber legt Patrick Doyle einen romantischen Orchesterscore, der Carlito wie eine Opernfigur betrauert, lange bevor er stirbt.
Bemerkenswert ist dabei, dass der Film das Gangsterleben eigentlich entzaubern wollte, seine romantische Form ihm aber gerade einen tragischen Glanz verleiht.
Die Vorlage stammt von Edwin Torres, einem amtierenden New Yorker Strafrichter, was die Milieukenntnis erklärt. Sean Penn verwandelte sich für Kleinfeld bis zur Unkenntlichkeit und reizte damit sogar eine Klagedrohung von Staranwalt Alan Dershowitz.
Das alles und natürlich noch viel mehr diskutieren wir in Folge 20 und falls es Dir heute noch niemand gesagt hat:
You are so beautiful!