Ich bin als Kind im Sommer gerne auf Glühwürmchenjagd gegangen. Die fliegen jetzt wieder – irgendwann zwischen Juni und August. Man braucht Geduld, um sie zu entdecken. Und Geduld ist nicht unbedingt meine größte Stärke. Ich möchte oft schnell helfen. In der Schule, wenn ich die Lösung schon kenne. In der Familie, wenn jemand Unterstützung braucht. Oder in Freundschaften – wenn eine Nachricht kommt, die mich sofort aufspringen lässt. Am liebsten wäre ich manchmal überall gleichzeitig da. Aber so funktioniert das nicht. Glühwürmchen leuchten auch nicht für alle gleichzeitig. Sie blitzen auf – aber nur aus bestimmten Blickwinkeln. Nicht jeder sieht ihr Leuchten zur gleichen Zeit. Und vielleicht ist das bei uns ähnlich. Wir können nicht überall gleichzeitig leuchten. Nicht für alle Menschen zur selben Zeit da sein. Und ja – das tut manchmal weh. Mir fällt es auch nach Jahren noch schwer, Menschen warten zu lassen oder abzusagen. Aber vielleicht heißt das nicht, dass unser Leuchten zu wenig ist. Sondern nur, dass es begrenzt ist. Und dass es genau deshalb kostbar ist. Denn bei Gott ist das anders. Sein Leuchten ist nicht begrenzt. Es kennt keine Wartelisten. Es erreicht jeden – zu jeder Zeit. Und vielleicht ist das tröstlich: Ich muss nicht überall gleichzeitig leuchten. Aber ich bin selbst gehalten von einem Licht, das es kann.

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