Ist echte Nachhaltigkeit im Kapitalismus möglich, oder bleibt sie ein cleveres Marketing-Tool?
Mit dieser provokanten Frage starten Dr. Martin Bethke und Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich in das Gespräch mit Prof. Dr. Johannes Meuer, Associate Professor for Sustainability Strategy an der Kühne Logistics University Hamburg (KLU).
Was folgt, ist eine nüchterne, faktenbasierte Einordnung der Lage: Warum Unternehmen trotz öffentlichem Gegenwind intern weiter an Nachhaltigkeit arbeiten. Warum das Klimaproblem physikalisch real bleibt – unabhängig von politischer Debatte. Und warum die eigentliche Herausforderung heute nicht mehr fehlendes Wissen ist, sondern die Skalierung vorhandener Lösungen.
Johannes Meuer gibt Einblick in aktuelle Forschungsprojekte zu Carbon Removal (u.a. Biochar in der Landwirtschaft), erklärt warum der Job des Nachhaltigkeitsmanagers sich radikal verändert – weg von Ideologie, hin zu Daten, Regulatorik und Hybridkompetenz – und warum Silos aufzubrechen oft der wirksamste Hebel ist, den Unternehmen heute haben.
Die wichtigsten Takeaways
✅ Green Hushing statt Rückzug: Nachhaltigkeitsbudgets sind laut aktuellen Umfragen (KPMG, EUI) nicht gesunken – Unternehmen arbeiten weiter, reden nur weniger laut darüber.
✅ Die Physik ist nicht verhandelbar: Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Golfstrom-Risiken – die wissenschaftliche Evidenz wird robuster, unabhängig von politischen Zyklen.
✅ Von Scouting zu Skalierung: Wir haben genug Nachhaltigkeitslösungen. Die zentrale Frage ist nicht mehr: „Was gibt es?" – sondern: „Wie kriegen wir es auf die Straße?"
✅ Biochar als Gamechanger? Eine einfache, skalierbare Carbon-Removal-Technologie aus Kompostmüll – mit Co-Benefits als Düngemittel. Konkrete Forschung, keine Theorie.
✅ Das Jobprofil des Nachhaltigkeitsmanagers wandelt sich radikal: Weg von Ideologie und People-Management, hin zu Datenkompetenz, juristischem Wissen und Regulatorik-Verständnis.
✅ Silos aufbrechen ist der unterschätzte Hebel: Wenn Menschen aus Produktion, HR, Sales und Verwaltung gemeinsam über Nachhaltigkeit nachdenken, entstehen Lösungen – nicht weil sie Nachhaltigkeit gelernt haben, sondern weil sie anfangen, miteinander zu sprechen.
Kapitel
01:54 – Eröffnungsthese: Nachhaltigkeit im Kapitalismus – Ideologie oder Business Case?07:02 – Green Hushing: Unternehmen arbeiten weiter, reden weniger10:54 – Was die Politik gerade (nicht) versteht – und warum die Physik nicht wartet15:08 – Ressourcenabhängigkeit, Geopolitik und globale Lieferketten19:00 – Wissenschaft trifft Praxis: Warum operative Komplexität entscheidend ist21:42 – Der Business Case für Nachhaltigkeit: Notwendig, aber nicht hinreichend24:25 – Die eigentliche Herausforderung: Skalierung vorhandener Lösungen27:14 – Wie sich das Jobprofil im Nachhaltigkeitsmanagement radikal verändert31:07 – Wo sind die Nachhaltigkeitsprojekte geblieben? Compliance vs. Innovation34:22 – Konsolidierungsphase: Von Lösungsentwicklung zur Marktdurchdringung35:27 – Carbon Removal: Was funktioniert – und was wird gehypt?36:43 – Biochar: Eine skalierbare Technologie mit echten Co-Benefits40:16 – CO₂ in Zement: Gamechanger oder Marketingkampagne?46:45 – Warum Nachhaltigkeitslösungen trotz Vorhandensein nicht skalieren50:20 – Silos aufbrechen als Kernhebel – in Unternehmen und in der Gesellschaft51:17 – Kulturwandel durch Lernen: Wenn Produktion, HR und Sales ins Gespräch kommen54:10 – Wirkung von Wissenschaft und Lehre: Was bleibt wirklich hängen?
Shownotes & Links
Kühne Logistics University
Center for Sustainable Logistics and Supply Chains
Direct Air Capture Forschungsprojekte
Kühne Climate Center
Prof. Dr. Johannes Meuer auf LinkedIn
Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich auf LinkedIn
Dr. Martin Bethke auf LinkedIn
Prof. Dr. Johannes Meuers Forschung an der KLU
Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrichs Forschung – Leuphana Universität
Unternehmensberatung Butterfly Effect Consulting GmbH