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Jeffrey Sachs: 180 Jahre Konfrontation mit Russland – Europas verpasste Friedenschancen

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Hat Europa über Jahrzehnte die Chance auf Frieden mit Russland verspielt? Der amerikanische Ökonom und Columbia-Professor Jeffrey Sachs ist überzeugt, dass Europas heutige Russlandpolitik Teil eines historischen Fehlers ist, dessen Ursprünge bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen.

Im Gespräch mit Patrik Baab erläutert Sachs die zentralen Thesen seines neuen Buches „Europas strategischer Fehler“. Er zeichnet eine Linie von der britischen Russlandpolitik der 1840er-Jahre über den Krimkrieg, Bismarcks Bündnispolitik und die beiden Weltkriege bis zur NATO-Osterweiterung und zum heutigen Ukrainekrieg.

Dabei stellt Sachs eine weitreichende Frage: Hätte die europäische Geschichte anders verlaufen können?

Besonders ausführlich beschäftigt er sich mit Deutschland. Nach seiner Interpretation hätte die Stalin-Note von 1952 eine frühere Wiedervereinigung ermöglichen können. Österreichs Neutralität von 1955 betrachtet er als Beispiel für eine alternative Sicherheitsordnung. Beide historischen Deutungen sind Gegenstand wissenschaftlicher Kontroversen.

Auch die Zeit nach 1989 spielt eine entscheidende Rolle. Sachs war damals selbst als Wirtschaftsberater in Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion tätig. Er berichtet von seinen Begegnungen mit Michail Gorbatschow, Boris Jelzin, Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher – und erklärt, warum er die damaligen Hoffnungen auf eine gemeinsame europäische Friedensordnung für gescheitert hält.

Im Zentrum steht seine Kritik an der NATO-Osterweiterung. Sachs interpretiert den Ukrainekrieg als vermeidbare Eskalation einer westlichen Machtpolitik, die russische Sicherheitsinteressen nicht ausreichend berücksichtigt habe. Die Verantwortung für Russlands großangelegte Invasion 2022 und die Frage nach der souveränen Entscheidung der Ukraine bleiben dabei wesentliche Streitpunkte.

Doch Sachs bleibt nicht bei der historischen Analyse stehen. Er fordert direkte Gespräche zwischen Deutschland und Russland, eine Rückkehr zur Diplomatie und eine europäische Sicherheitsordnung, die nicht ausschließlich auf militärischen Bündnissen beruht.

Welche Rolle könnte die OSZE dabei spielen? Was müsste Bundeskanzler Friedrich Merz ändern? Und wie kann Europa seine Beziehungen zu Russland, China und den USA neu gestalten?

Themen dieser Folge:

– Europas Russlandpolitik und ihre historischen Wurzeln
– Das britische Empire, das Great Game und der Krimkrieg
– Bismarcks Bündnispolitik und der Erste Weltkrieg
– Kalter Krieg und deutsche Neutralität
– Die Stalin-Note von 1952 und Adenauers Entscheidung
– Österreich 1955 als alternatives Sicherheitsmodell
– Sachs’ persönliche Erfahrungen während der Wendezeit
– Gorbatschow, Kohl, Genscher und die NATO-Osterweiterung
– Der Ukrainekrieg und Sachs’ Neutralitätsvorschlag
– Die geopolitische Rolle der USA, Chinas und Russlands
– Friedrich Merz und die deutsche Außenpolitik
– Direkte Diplomatie statt weiterer Eskalation
– Die OSZE und eine neue europäische Sicherheitsordnung

Jeffrey Sachs:
„Europa spricht derzeit nur die Sprache der Eskalation.“
(Übersetzung aus dem Englischen)

Buch:
Jeffrey Sachs – „Europas strategischer Fehler“

Kapitel:
[Finale Kapitel werden ergänzt]

Dieses Interview dient der politischen Meinungsbildung und freien Meinungsäußerung gemäß Art. 5 GG.

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