In dieser Folge von „Wilde Zeiten – zwei Therapeutinnen über das Elternsein“ sprechen wir über Kinder, die scheinbar „mehr fühlen“, schneller überreizt sind oder intensiver auf ihre Umwelt reagieren. Wir schauen uns an, woher das Konzept der Hochsensibilität eigentlich kommt, warum es keine offizielle Diagnose ist und weshalb es trotzdem für viele Eltern entlastend sein kann. Gleichzeitig fragen wir kritisch nach: Was unterscheidet Hochsensibilität von ADHS oder Autismus? Wo sind die wissenschaftlichen Grenzen des Konzepts? Und wann hilft ein Label – oder steht es vielleicht sogar Entwicklung im Weg?

Wir sprechen über die Idee der sogenannten „Sensory Processing Sensitivity“, über Neurotizismus, Reizverarbeitung und darüber, warum sensible Kinder nicht automatisch schwach oder zerbrechlich sind. Denn dieselbe Eigenschaft, die schneller zu Überforderung führen kann, geht oft auch mit Empathie, Kreativität und intensiver Wahrnehmung einher. Entscheidend ist dabei weniger das Label als das Umfeld: Hochsensible Kinder reagieren oft besonders stark auf Stress – aber auch besonders positiv auf Sicherheit, Beziehung und Co-Regulation.

Außerdem wird es ganz praktisch: Wie erkennen Eltern Überreizung? Was hilft im Alltag wirklich? Warum brauchen manche Kinder nach Schule oder Kita erst einmal eine „Ankommenszeit“, bevor sie sprechen können? Und welche kleinen Rituale können helfen, das Nervensystem runterzufahren? Wir teilen alltagsnahe, evidenzbasierte Strategien rund um Reizreduktion, Selbstregulation und den Umgang mit emotionalen Meltdowns – ohne Pathologisierung, aber auch ohne Schönfärberei.

Eine Folge für alle Eltern, die ihr Kind besser verstehen wollen – und sich fragen, ob „zu empfindlich“ vielleicht manchmal einfach nur bedeutet: anders unterwegs in einer ziemlich lauten Welt.

Fragen, Feedback oder Themenwünsche? Schreib uns an podcast@juni-therapie.de


Quellen: 

Aron, E. N. (1996). The highly sensitive person. Broadway Books.

Aron, E. N., & Aron, A. (1997). Sensory-processing sensitivity and its relation to introversion and emotionality. Journal of Personality and Social Psychology, 73(2), 345–368.

Acevedo, B. P., Jagiellowicz, J., Aron, E., Marhenke, R., & Aron, A. (2017). Sensory processing sensitivity and childhood quality’s effects on neural responses to emotional stimuli. Clinical Neuropsychiatry, 14(6), 359–373.

Cadogan, E., Murphy, M., Lionetti, F., & Setti, A. (2022). The effect of environment on psychological outcomes of the highly sensitive person: A systematic scoping review.

Goldberg, A., & Scharf, M. (2020). How do highly sensitive persons parent their adolescent children? The role of sensory processing sensitivity in parenting practices. Journal of Social and Personal Relationships, 37(6), 1825–1842.

Greven, C. U., Lionetti, F., Booth, C., Aron, E. N., Fox, E., Schendan, H. E., Pluess, M., Bruining, H., Acevedo, B., Bijttebier, P., & Homberg, J. (2019). Sensory processing sensitivity in the context of environmental sensitivity: A critical review and development of research agenda. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 98, 287–305.

Lionetti, F., Aron, A., Aron, E. N., Burns, G. L., Jagiellowicz, J., & Pluess, M. (2018). Dandelions, tulips and orchids: Evidence for the existence of low-sensitive, medium-sensitive and high-sensitive individuals. Translational Psychiatry, 8, Article 24.

Smolewska, K. A., McCabe, S. B., & Woody, E. Z. (2006). A psychometric evaluation of the highly sensitive person scale: The components of sensory-processing sensitivity and their relation to the BIS/BAS and “Big Five”. Journal of Personality Assessment, 87(2), 126–138.

Suuberg, A. (2018). What does it mean to be sensitive? Serotonin, stress, and the highly sensitive person (HSP).

Music for Creators. (n.d.). Upbeat motivational acoustic corporate [Music]. Free Music Archive. https://freemusicarchive.org

Podden och tillhörande omslagsbild på den här sidan tillhör Dr. Michaela Junghänel und Sophie Niestroj. Innehållet i podden är skapat av Dr. Michaela Junghänel und Sophie Niestroj och inte av, eller tillsammans med, Poddtoppen.