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Das neunte Kapitel des Buches Esra berichtet von einer tiefen Krise, die Esra kurz nach seiner von Gottes Gnade und Schutz geprägten Rückkehr nach Jerusalem trifft. Oberste des Volkes informieren ihn darüber, dass sich das Volk Israel – einschliesslich der Priester, Leviten und der führenden Beamten – entgegen den ausdrücklichen Geboten Gottes mit den heidnischen Völkern der Region vermischt hat. Diese Nachricht trifft Esra wie ein Schlag: Angesichts der Tatsache, dass ebendiese Götzenverehrung, die oft mit sexueller Unmoral und grausamen Kinderopfern einherging, der Grund für das siebzigjährige Exil war, zerreisst er in tiefer Betäubung und Trauer seine Kleider und rauft sich die Haare. In seinem anschliessenden, zutiefst demütigen Bußgebet erhebt er sich nicht über das Volk, sondern macht sich mit dessen Schuld eins; er bekennt die grosse Sünde und anerkennt, dass Gott in seiner Güte einen kleinen, unverdienten Überrest bewahrt hat, obwohl sie durch ihren erneuten Ungehorsam eigentlich völlige Vernichtung verdient hätten.

Für den christlichen Alltag zeigt diese Passage eindrücklich den radikalen Umgang mit Sünde und weltlicher Vermischung. Gott fordert von seinen Nachfolgern auch heute noch Absonderung und Heiligkeit, denn geistliche Kompromisse – sei es in Form von ungleichem Joch in Beziehungen, von modernem Götzendienst (wie die Fixierung auf materielle Dinge) oder von sexueller Unmoral – führen unweigerlich zu geistlichem Verfall. Gleichzeitig ist Esras demütige, sich mit der Schuld einsmachende Haltung ein grossartiges Vorbild dafür, nicht mit erhobenem Zeigefinger auf das Versagen anderer zu blicken, sondern im Gebet füreinander einzustehen. Letztlich weist Esras Haltung als Fürbitter prophetisch auf Jesus Christus hin, den grossen Hohenpriester, der sich nicht nur mit der Schuld der Menschen einsgemacht hat, sondern diese am Kreuz ein für alle Mal trug und die alleinige Erlösung aus der Macht der Sünde gebracht hat.

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