Seine Biografie könnte die Vorlage abgeben für einen wilden Polit-Thriller, nur dass die Geschichte leider wahr ist: 1967 wurde der koreanische Komponist Isang Yun vom südkoreanischen Geheimdienst aus West-Berlin entführt und nach Südkorea verschleppt.
In einem Schauprozess angeklagt, zum Tode, später zu "lebenslänglich" verurteilt - und zwei Jahre später durch Bemühungen des deutschen Außenministeriums und weltweite Proteste von Künstlerkollegen wieder freigelassen.
Isang Yuns Musik schlägt eine Brücke von Ost nach West - in einer Zeit, in der so etwas noch nicht so gängig und wohlfeil war wie heute, sondern eher ein Experiment. Welches Orchester kannte sich schon mit Musik aus, in der jeder Ton ein Ereignis ist? In der die im Abendland so wichtig genommene "Form" mit Anfang, Ende und einer nachvollziehbaren melodischen und harmonischen Konstruktion dazwischen kaum eine Rolle spielt? In der das "normale" Sinfonieorchester maximal differenziert ist und durch eine Batterie von Schlagzeug verstärkt wird?
1966, ein Jahr vor seiner Entführung, gelang Isang Yun mit seinem Orchesterstück "Réak" so etwas wie ein Durchbruch. Paul Bartholmäi stellt das Stück vor, richtet den Blick nach Asien, auf die damalige "Neue Musik" mit dem ganz großen "N", aber auch auf die Biografie von Isang Yun - Letzteres in den Worten des Komponisten und Oboisten Heinz Holliger.