Vor dir steht etwas Schönes – ein Glas Wein, ein Abend, ein Ort, den du dir lange gewünscht hast. Und während du es genießt, ist dein Kopf schon woanders. Warum geht uns das Genießen so oft durch die Finger, obwohl wir alles dafür hätten? Diese Folge ist ein Nachdenken über das Genießen, kein Ratgeber mit fünf Schritten. Sie nimmt dich mit zu zwei Männern, die sich zu Lebzeiten aufs Bitterste verachteten und an einer einzigen Stelle trotzdem dasselbe rieten: Epikur, dem angeblichen Lustphilosophen, dessen Ruf einer der erfolgreichsten Rufmorde der Philosophiegeschichte ist, und Seneca, dem reichsten Römer seiner Zeit, der über Genügsamkeit schrieb und am eigenen Reichtum scheiterte.
Es geht um die Abstumpfung, die wir für einen Defekt halten und die in Wahrheit ein Schutz ist. Um Senecas Kargheitsübung, die den Genuss schärft, indem sie ihn für ein paar Tage wegnimmt. Und um eine Übung in die andere Richtung, die weder Seneca noch Epikur in dieser Form kannten: die Luxusübung, das bewusste Genießen von etwas, das nie dein Standard werden kann. Mit der ehrlichen Frage, ob das wirklich gelingt oder ob es einen nur unzufriedener zurücklässt. Am Ende stehen drei Menschen im selben Hotelzimmer, und nur einer von ihnen ist frei.
Den biologischen Mechanismus hinter dem Ganzen – warum die Vorfreude größer ist als die Erfüllung und was Dopamin damit zu tun hat – habe ich in einer früheren Folge ausführlich behandelt. Wenn du tiefer einsteigen willst, findest du sie hier: Dopamin und Seneca.
Wer beim Genießen frei bleiben will, stößt früher oder später auf eine verwandte Frage: Wie viel von dem, was wir tun und ertragen und mit uns machen lassen, gehört eigentlich uns – und wie viel geben wir nur her, weil wir nicht Nein sagen können? Genau darum geht es in meiner Audio-Masterclass Mehr bei dir – stoische Abgrenzung und innere Freiheit. Sie vermittelt die stoischen Prinzipien direkt und ohne historischen Umweg, für alle, die bei sich bleiben wollen, ohne hart zu werden. Du findest sie hier: stoicmind.at/audiomasterclass.
Jeden Mittwoch erscheint außerdem eine neue geführte Meditation im Meditations-Abo – ein wachsendes Repertoire aus thematischen und grundlegenden Übungen, monatlich kündbar. Wenn du das Innehalten, von dem diese Folge spricht, nicht nur denken, sondern üben willst, findest du das Abo hier: Meditations-Abo.
Mehr über meine Arbeit, das Coaching und das Buch findest du auf stoicmind.at. Schreib mir gern, wenn dir zu dieser Folge etwas durch den Kopf geht.
Die Signation wurde von Fabien Tell komponiert und von Constanze Weltmann eingesprochen. Closing-Song: Sämtliche Urheber- und Verwertungsrechte an Text, Komposition und Produktion liegen ausschließlich bei Dietmar Gumprecht. Die Produktion erfolgte unter Einsatz KI-gestützter Werkzeuge.