Ich war in den Sommerferien wandern. Und dabei überquerte ich auch die ein oder andere Alm. Es war einfach nur schön, zwischen den Kühen umherzuwandern und die Sonne im Gesicht zu spüren. Die Beine schon etwas schwer vom Aufstieg. Aber dieses Klingeln der Kuhglocken – beruhigend und irgendwie erdend im Ohr. Und da hab ich nochmal gespürt, wie schön und wunderbar entspannend diese Kühe sein können. Und ich musste an die ein oder andere Bibelgeschichte denken, die mich inzwischen ehrlich gesagt nur noch zum Gähnen bringt. Wenn es wieder um Hirten geht. Um Schafe. Um Vieh. Dann hat das oft so gar nichts mit meinem Alltag zu tun, denke ich. Dann langweilt es mich manchmal. Oder es nervt mich sogar. Denn ich will nicht das dumme Schaf sein, das sich verirrt und gefunden werden muss. Aber da oben auf der Alm habe ich es plötzlich ein bisschen besser verstanden. Vielleicht sogar gespürt. Schon beim Aufstieg kam uns ein Schäfer entgegen. Mit einer riesigen Schafherde und mindestens drei Schäferhunden. Ich war so mit dem Aufstieg beschäftigt, dass ich erst gar nicht richtig kapiert habe, dass da neben mir eine Unmenge an Schafen über Stock und Stein hüpfte. Und irgendwann dachte ich: Wie kostbar müssen diese Tiere eigentlich für diesen Schäfer sein? Sie sind sein Lebensunterhalt. Seine Lebensversicherung. Vielleicht ein großer Teil seines Lebens. Und für mich? Für mich waren sie in diesem Moment einfach nur beeindruckend und wunderschön. Ich dachte nicht: „Was für dummes Vieh.“ Und vielleicht habe ich genau da für einen kurzen Moment verstanden, was diese alten Bilder der Bibel eigentlich erzählen wollen. Vielleicht geht es gar nicht darum, dass ich das dumme Schaf bin. Vielleicht geht es darum, dass ich kostbar bin. So kostbar, dass es eben nicht egal ist, wenn ich verloren gehe. So kostbar, dass jemand nach mir schaut. So kostbar, dass einer mich nicht einfach zurücklässt. Da oben auf der Alm, zwischen Kuhglocken, schweren Beinen und einer riesigen Herde Schafe, habe ich für einen kurzen Moment verstanden, wie kostbar du und ich für Gott sein könnten. Und plötzlich fand ich diese alte Geschichte gar nicht mehr so langweilig.
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