Entscheidungen treffen Shownotes
In dieser Episode geht es ums Entscheidungen treffen – und um drei Fehler, die dabei lähmen. Nicht bei den großen Weichenstellungen, für die man sich zu Recht Zeit nimmt, sondern bei den zwanzig kleinen Entscheidungen pro Tag, die sich aufstauen und nachts im Kopf weiterlaufen.
Welches Angebot geht raus. Nehme ich den Kunden oder nicht. Stelle ich jetzt jemanden ein. Diese Dinge bleiben liegen, und am nächsten Morgen ist immer noch nichts entschieden.
Der eigentliche Schaden beim Entscheidungen treffen entsteht selten durch eine falsche Wahl. Er entsteht durch die Zeit, in der gar nichts passiert – und durch die Energie, die offene Punkte im Hintergrund verbrauchen.
Zusammenfassung und Stichpunkte zum Entscheidungen treffen
Das ist die Zusammenfassung dieser Episode in Kurzform:
- Fehler 1 – Warten auf Informationen, die nicht kommen. Noch ein Angebot einholen, noch einen Artikel lesen, noch jemanden fragen: Das fühlt sich an wie Arbeit an der Entscheidung, ist aber Aufschieben mit gutem Gewissen. Die gesuchte Information existiert in den meisten Fällen gar nicht – gesucht wird nämlich keine Information, sondern Sicherheit. Die Faustregel aus der Folge: Bei rund 70 Prozent Wissensstand wird entschieden. Die restlichen 30 Prozent gibt es erst, wenn man losgelaufen ist.
- Fehler 2 – Jede Entscheidung gleich behandeln. Der teuerste der drei. Es gibt nur zwei Sorten: umkehrbare und endgültige. Ein Tool abonnieren, eine Kampagne testen, einen Preis ausprobieren – alles rückgängig zu machen, also schnell entscheiden und notfalls zurückrudern. Ein Fünfjahresmietvertrag, ein Geschäftspartner, ein Firmenverkauf – da darf es dauern. Die meisten machen es genau andersherum: Sie zerdenken die kleinen Dinge und unterschreiben die großen zwischen Tür und Angel.
- Fehler 3 – Das falsche Problem bearbeiten. Wer seit Wochen schwankt, hat selten ein Entscheidungsproblem. Er hat ein Kriterienproblem. Solange unklar ist, ob mehr Umsatz oder mehr Freizeit das Ziel ist, kann es keine richtige Antwort geben – jede Option gewinnt bei einem Kriterium und verliert beim anderen. Das verräterische Signal: Erleichterung, wenn jemand anders die Entscheidung abnimmt.
Der rote Faden: Beim Entscheidungen treffen kostet nicht die falsche Wahl das meiste Geld, sondern die ausbleibende.
Shownotes und Episodendetails
Warum ist Entscheidungen treffen für Selbstständige anstrengender als für Angestellte? Weil es kein Korrektiv gibt. Kein Vorgesetzter, der abnickt, kein Gremium, das mitträgt, keine Vorgabe, an der man sich ausrichten kann. Jede Entscheidung ist am Ende die eigene, und jede Konsequenz auch.
Dazu kommt beim Entscheidungen treffen die schiere Menge. Wer alleine oder mit einem kleinen Team arbeitet, trifft an einem normalen Tag Dutzende Entscheidungen quer durch alle Bereiche: Technik, Preise, Personal, Marketing, Kunden. Die Qualität nimmt dabei messbar ab, je länger der Tag dauert.
Die 70-Prozent-Regel im Alltag.
Der Gedanke dahinter ist nicht Leichtsinn, sondern eine Kostenrechnung. Die letzten 30 Prozent Information sind meist die teuersten: Sie kosten Wochen, und oft sind sie gar nicht beschaffbar, weil sie erst in der Umsetzung entstehen.
In derselben Zeit, in der auf diese Sicherheit gewartet wird, ließe sich eine falsche Entscheidung längst erkennen und korrigieren. Entscheidungen treffen wird damit zu einer Frage der Geschwindigkeit, nicht der Treffsicherheit.
Die Sortierung nach Umkehrbarkeit.
Diese Unterscheidung lässt sich sofort anwenden. Nimm deine offenen Punkte und stelle bei jedem nur eine Frage: Komme ich da wieder raus?
Bei allem, was umkehrbar ist, ist Schnelligkeit wertvoller als Gründlichkeit. Der mögliche Schaden ist begrenzt und bekannt, der Zeitverlust durch Zögern dagegen unbegrenzt.
Ein Beispiel dafür aus dem Archiv: In Folge 961 erzählt Rolf Kipp, wie er mit Mitte zwanzig ein Immobilienangebot unterschrieb, ohne die Verträge zu lesen. Danach war ein zweistelliges Millionenvermögen weg, plus eine halbe Million Schulden. Eine endgültige Entscheidung, getroffen wie eine umkehrbare.
Bei allem, was endgültig ist, gilt das Gegenteil. Verträge mit langer Bindung, Beteiligungen, Bürgschaften und Partnerschaften gehören gelesen, geprüft und beschlafen. Was hier schiefgeht, lässt sich nicht mit mehr Arbeit reparieren.
Der versteckte Preis offener Entscheidungen.
Eine offene Entscheidung ist nie wirklich ruhig. Sie meldet sich beim Einschlafen, im Meeting, beim Sport. Das kostet Aufmerksamkeit, die an anderer Stelle fehlt.
Wer fünf ungeklärte Punkte mit sich herumträgt, arbeitet deshalb nicht an fünf Themen, sondern schlechter an allen. Genau deshalb lohnt es sich, die umkehrbaren Entscheidungen zügig vom Tisch zu bekommen – nicht weil sie wichtig wären, sondern weil sie sonst Platz belegen.
Warum Kriterien vor Optionen kommen.
Die meisten beginnen beim Vergleichen: zwei Angebote nebeneinander, Vor- und Nachteile, Tabellen. Das führt nur dann zu einem Ergebnis, wenn vorher feststeht, wonach bewertet wird.
Praktisch heißt das: erst zwei oder drei Kriterien aufschreiben, die wirklich zählen, dann die Optionen daran messen. In den meisten Fällen dauert Entscheidungen treffen danach keine fünf Minuten mehr.
Und wenn keine Option zu den Kriterien passt, ist auch das ein Ergebnis – die richtige Entscheidung heißt dann: keine von beiden, weitersuchen.
Passende Episoden zum Nachhören:
Wo hängst du gerade fest? Schreib es mir gerne – ich freue mich auf dein Feedback.
Und denk immer daran: Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe.
Tschüss, mach's gut. Dein Tom.

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