Markus Orths: Der Bachmannpreis vor 18 Jahren

Eine Verbindung zum Bachmannpreis gibt es in dieser regulären literaturcafe.de-Podcast-Folge dann doch noch: Markus Orths hat in Klagenfurt im Jahre 2008 gelesen. Er präsentierte der Jury einen Auszug aus seinem später erschienenen Roman »Das Zimmermädchen« und belegte den zweiten Platz, seinerzeit der »Telekom-Austria-Preis«. Eingeladen hatte ihn damals keine geringere als Daniela Strigl, die vor drei Folgen Gast in diesem Podcast war. Wie Markus Orths heute auf diese Teilnahme zurückblickt, was ihm der Preis damals gebracht hat und warum er findet, dass Jurys eigentlich wissen sollten, ob sie einen Romananfang oder eine abgeschlossene Erzählung vor sich haben – das hören Sie in dieser Podcast-Folge. 2008 wurde ein Romanausschnitt noch als solcher angekündigt. Ebenfalls bemerkenswert: 2008 fanden alle 14 Lesungen an nur zwei Tagen statt (Freitag und Samstag) und die Preisverleihung erfolgte unmittelbar am Samstagabend. 2008 war auch der Jahrgang, in dem die Jury auf 7 Köpfe reduziert wurde. Gewonnen hat 2008 Tilman Rammstedt und auch Clemens J. Setz war in diesem Jahr dabei.

»Die Enthusiasten« – zwischen Tristram Shandy und dunkler Materie

Zunächst geht es im Gesprächs um Markus Orths aktuellen Roman »Die Enthusiasten« (Galiani Berlin): eine schillernde Familie und ein Ich-Erzähler, der zu den »Shandianern« gehört – jenen Besessenen, die Laurence Sternes Jahrhundertwerk »Tristram Shandy« verfallen sind. Orths erzählt, warum er sich als Autor den Erfindern und Träumern zurechnet und nicht den autofiktional Schreibenden. Und während sein Ich-Erzähler sagt, man sollte nie zwei Seiten lang über Ratten schreiben, denn das Lektorat würde es ohnehin streichen, weil man so die Leser verliert, macht es Markus Orths in »Die Enthusiasten« trotzdem.

Die Vereinnahmung: Markus Orths und die KI

Und dann reden Markus Orths und Wolfgang Tischer noch über einen anderen Text, der als PDF-Download auf markusorths.de bereitsteht. Der Essay »Die Vereinnahmung« ist eine Art literarisches Spin-off zu »Die Enthusiasten«, das mit einer Verwandlung beginnt, die Kafka persifliert und doch etwas ganz anderes verhandelt: die künstliche und ungeheure Intelligenz. Was den KI-Einsatz bzw. den Nicht-Einsatz betrifft, bezieht Orths klar Position. Er erläutert, warum er selbst konsequent auf KI in allen Stadien des Schreibens verzichtet, welche Gefahr er für den ganzen Kunstbetrieb und die Literatur sieht, was er von Verlagen und Lektoraten erwartet, die zunehmend mit KI-Tools arbeiten – und ob es ihn wirklich kaltlässt, wenn ein KI-Text die Leserinnen und Leser zu Tränen rührt, selbst wenn kein Mensch dahintersteckt.

Markus Orths, der auch Kinderbücher im Loewe Verlag schreibt, begrüßt es sehr, dass man dort die Bücher klar als »Ohne KI« kennzeichnet.

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