Als Ende Januar 1936 in der sowjetischen „Prawda“, dem Zentralorgan der Kommunistischen Partei, die Kritik einer Oper von Dmitri Schostakowitsch erscheint, lässt schon die Überschrift keine Zweifel aufkommen: „Chaos statt Musik“. Der Artikel gleicht einer Abrechnung, einer Diffamierung. Verfasst hat diesen Verriss – die These ist bis heute nicht widerlegt – Diktator Josef Stalin persönlich. Von diesem Moment an kann Schostakowitsch kein ungetrübt-freies Leben mehr führen. Der britische Autor Julian Barnes hat 2016 in London einen Roman veröffentlicht, der die Lebens- und Arbeitsbedingungen des Komponisten thematisiert: der Künstler in der Diktatur. Das Thema ist heute so aktuell wie damals. Christoph Vratz stellt diesen Klassiker der modernen Musik-Literatur vor.