„Im Grundtext steht doch, dass Gott den Menschen zuerst als Mann und Frau zugleich geschaffen hat." Dieser Satz begegnet uns in Predigten, Podcasts und auf Instagram-Kacheln. Er klingt tief, er klingt nach verborgenem Wissen. Aber stimmt er?

Dabei geht es um mehr als um Hebräisch: Es geht um die Frage, wer wir als Mensch, als Mann und als Frau von Anfang an sind. Für dieses Thema brauchst Du keine Vorkenntnisse, nur Neugier.

In diesem Vortrag aus der Reihe „Betrachtungen" gehe ich der Behauptung vom „androgynen Urmenschen" auf den Grund, theologisch und sprachlich. Ich frage zuerst, warum sie gerade heute so viel Resonanz findet: die Sehnsucht nach Ganzheit, die Infragestellung der Zweigeschlechtlichkeit und der Reiz des vermeintlich verschütteten Originals. Danach schauen wir genau hin, was tatsächlich im Text steht.

Das erwartet Dich:

Woher die Idee stammt: Bereschit Rabba, zwei Rabbiner, zwei widersprüchliche Bilder Peschat oder Derasch: Was ein Text sagt und was Ausleger daraus gemacht haben. Warum „tzela" (Rippe oder Seite?) und der Wechsel von „ihn" zu „sie" nichts beweisen was Philo, Rashi und Rashbam wirklich lehren, und warum es „das" jüdische Verständnis nicht gibt. Von Platon über Jakob Böhme bis zur Gendertheologie: Wer die These vertritt, gestern und heute. Der einfache Schlüssel: „adam" ist ein Kollektivsingular. Die Menschheit als Gattung, die als Mann und Frau existiert.

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