Karim El-Gawhary meldet sich aus Al-Wattar-Haus, einem historischen Gebäude im historischen Zentrum Bagdads, am Ufer des Tigris. Er ist zu Gast bei der deutsch-irakische Filmemacherin, Künstlerin und Journalistin Fourad El-Jamil, die auch am ersten irakischen Pavillon auf der Biennale in Venedig 2013 mit einer Installation vertreten war. El-Jamil erzählt von ihrer Kindheit zwischen Deutschland und Irak, ihren Erfahrungen als Doppelstaatlerin und einer gefährlichen Rettungsaktion für Deutsche in vom Irak besetzten Kuwait während des Zweiten Golfkriegs, für die sie später das Bundesverdienstkreuz erhielt. Im Mittelpunkt des Gesprächs steht die irakische Kunstszene und die Frage, wie Künstlerinnen und Künstler mit den Traumata von Krieg, Gewalt und gesellschaftlicher Unsicherheit umgehen. El-Jamil beschreibt ihre Arbeiten zu Heilung und Wiederaufbau. Außerdem geht es um die Veränderungen in Bagdad, den Abbau von Betonbarrieren, die Restaurierung historischer Häuser, neuen Hochhausprojekte und die Folgen von Korruption und Investitionsprojekten. El-Gawhary und El-Jamil sprechen auch über Umweltzerstörung, abgeholzte Palmenhaine, Sandstürme, Müll und die Verschmutzung von Tigris und Euphrat. Weitere Themen sind die gescheiterten Oktoberproteste der Jugendlichen 2019 und wie schwierig es ist, den Irak aus dem Griff Gruppen auf Basis von Religionszugehörigkeit zu befreien. Al-Jamil erklärt, warum Kunst für sie nicht nur Ausdruck von Verlust, sondern auch ein Weg zu Heilung und Hoffnung ist.
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