Mit Dr. Schoole Mostafawy: Am 14. Juli 1683 floh der Kaiser entsetzt aus seiner Wiener Hofburg. Sein schlimmster Albtraum wurde Realität: Die Osmanen standen vor Wien. An diesem Morgen tauchte eine Armee von 120.000 Mann vor den Toren der Stadt auf. Zuvor hatte Sultan Mehmed IV. dem Kaiser schriftlich befohlen, die osmanischen Truppen in seiner Residenzstadt zu erwarten: “damit wir Dich köpfen können“. Der Kaiser weinte mit den Wienern, erlaubte den Ratsherren noch, seine Hand zu küssen und floh dann Hals über Kopf. Seit der Eroberung von Konstantinopel im Jahr 1453 griffen die Osmanen in vielen Kriegszügen immer wieder nach Europa aus. In diesen rund 200 Jahren zwischen der Eroberung von Konstantinopel und der Belagerung von Wien waren große Gebiete auf dem Balkan und in Ungarn unter osmanischer Kontrolle.
Die "Türkenkriege" waren für die europäischen Mächte erst 1791 endgültig vorbei. Die Phase von Besetzung, Krieg und Frieden mit osmanischen Herrschern in Europa dauerte insgesamt über 300 Jahre. Die Geschichtsschreibung fokussiert häufig die Kriege. Dr. Schoole Mostafawy hat der Großen Landesausstellung "Sultan und Kaiser" im Badischen Landesmuseum 2019 den Untertitel gegeben: "Nachbarn in Europa“. Ich spreche mit ihr darüber, wie sehr sich die Kulturen gegenseitig beeinflusst haben.
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