Wie überall in der Medizin diskutieren auch im Fachgebiet Psychiatrie am meisten die Profis in der Öffentlichkeit untereinander, weil sie doch die vermeintlichen Expert:innen sind. Aber was ist den mit den Betroffenen? Sind die einverstanden damit, dass sehr viel über sie, aber nicht mit ihnen gesprochen wird? Auf großen Kongressen und Fortbildungen begegnen sie mir kaum, dabei gibt es Netzwerke, in denen Betroffene nicht nur ihre Erfahrungen, sondern auch kritische Informationen und Ansichten austauschen…denn nicht alle sind so einverstanden damit, was die Fachleute untereinander besprechen oder für Wahrheit halten, weil es oft nur eine rationale Perspektive ist. Vereinzelt werden mal Prominente auf die Bühne gebeten, um dann zu bestätigen, wie hilfreich es war, endlich einzusehen, wie krank man ist und dass es zum Glück die Psychiatrie gibt. Doch es gibt auch kritische Stimmen, nur werden diese weniger gehört. Unter anderem deswegen, weil sie sich nicht kommerziell benutzen lassen wollen. Weil sie festgestellt haben, dass Medikamente und das biologistische Krankheitsmodell Ihnen wenig Segen, sondern oft Schaden und lange Irrwege gebracht hat. Mad in Deutschland, eine der jüngeren Stimmen, ist seit einem halben Jahr online.
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Literatur:
Das Zitat, dass "Patienten ... ihre Medikamente nicht mehr nehmen würden, wenn wir sie über alle Nebenwirkungen, Komplikationen und Spätfolgen aufklären würden", steht übrigens tatsächlich im Buch von Gerhard Gründer auf Seite 4: Gründer, G. (2025). Psychopharmaka absetzen? Warum, wann und wie? (2. Auflage). Elsevier. https://doi.org/10.1016/C2023-0-01178-5
Francis, A., Normal - Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen. Dumont, 2013.
madindeutschland.org
Whitaker, R., Anatomie eine Epidemie - Wenn Psychopharmaka krank machen, Kohlhammer, 2026.
Whitaker, R., Mad in America: Bad science, bad medicine and the enduring mistreatement of the mentally ill. Basic Books, 2002.