Als Christine Prayon im Jahr 2023 öffentlich erklärte, warum sie nicht mehr als Birte Schneider in der „heute-Show“ zu sehen ist, führte dies zu einer Kaskade der Reaktionen – Beschimpfungen und Kategorisierungen, aber auch Vereinnahmungen durch politische Seiten, mit denen sie sich so gar nicht identifizieren konnte. Plötzlich steht sie als Künstlerin vor einer völlig neuen Situation: ihre Werte sind gleich geblieben, doch die Begriffe, die man ihr anhängt, verändern sich. Die erklärt linke Kabarettistin wird in eine Schublade geworfen mit teils rechtsreaktionären Wutbürgern. Dann beginnen neun Tage nach einer Impfung gegen Corona die ersten Symptome des PostVac-Syndroms. Doch Christine Prayon bewahrt sich ihre Unabhängigkeit. Entgegen gesundheitlicher Probleme und des Drucks aus dem Mainstream ist sie weiterhin auf Tour und spielt mit der Idee von Utopien jenseits des Kapitalismus. Im Interview mit Bent-Erik Scholz spricht sie über das Selbstverständnis der Medienkaste, den Mut zur Ambivalenz und die Frage, ob öffentlich-rechtliche Medien zur Systemkritik überhaupt in der Lage sind.
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