Martin Tschepe liebt das Freiwasser - und ganz besonders den Neckar. So sehr, dass er vor einigen Jahren zusammen mit seinem Freund Volker den ganzen Fluss entlang geschwommen ist - über 300 Kilometer in knapp zwei Wochen. Von Sulz durch Stuttgart und Ludwigsburg bis nach Mannheim. Und das, obwohl in dem Fluss das Baden streckenweise verboten ist - in Stuttgart zum Beispiel. Aber das hat die beiden nicht gestört: Sie wollten zeigen, was für ein großartiges Naherholungsgebiet so ein Fluss sein kann - und haben nebenher noch Spenden gesammelt, damit Menschen mit Behinderung Schwimmtraining bekommen können.
Genannt hat Martin das Projekt „Bahn neun“. Denn wenn der Bademeister in seiner Jugend das Freibad direkt neben dem Neckar schloss, sagte er immer: „Jetzt habt ihr nur noch Bahn neun“.
Allerdings - in den 1970er Jahren kam das noch überhaupt nicht in Frage, zu verdreckt war der Neckar, der immerhin der zwölftgrößte Fluss Deutschlands ist. Aber offenbar hat Martin dieser Gedanke nicht mehr losgelassen.
Heute ist der Fluss an vielen Stellen deutlich sauberer, zum Baden freigegeben ist er trotzdem nicht überall. Dabei wäre diese kostenlose Möglichkeit in Zeiten des Klimawandels gerade in Großstädten wie Stuttgart so wichtig, findet Martin. Er selber schwimmt das ganze Jahr über im Neckar, auch bei knapp zwei Grad Wassertemperatur. Möglichst nie allein und immer mit Boje. Früher im Neoprenanzug, heute auch ohne - denn Martin ist mittlerweile Weltmeister im Eisschwimmen, erst im März dieses Jahres hat er sich im finnischen Oulu zweimal den Titel geholt, in 200 und 450 Meter Freistil.
Überhaupt - der Mann hat eine echte Seen-Sucht: Vom Bodensee bis zur Müritz hat er schon sehr viele Seen in Deutschland durchschwommen und auch Salzwasser ist für ihn kein Problem: Er hat am Sylter Küstenschwimmen teilgenommen, ist nicht nur von Föhr nach Sylt gekrault, sondern war auch im Mittelmeer und im Atlantik unterwegs.
Wenn Martin nicht gerade schwimmend unterwegs ist, schreibt er als freier Journalist unter anderem für den Staatsanzeiger oder swim.de. Was er beim Schwimmen schon so alles erlebt hat, hat er in seinem Buch „Im Element - Geschichten vom Schwimmen“ beschrieben. Und er arbeitet für die Stuttgarter Josef Wund Stiftung, die sich für sauberes Wasser und fürs Schwimmen lernen einsetzt.
An dem Morgen unseres Gesprächs ist er auch schon startbereit: Allerdings geht es diesmal weder in den Fluss noch in einen See, sondern ganz bodenständig ins Freibad. Denn wer ein guter Schwimmer im Freiwasser sein will, sagt Martin, der muss dafür im Becken trainieren.