Wissenschaft und Praxis müssen sich im Alltag begegnen, davon ist Christian Klein, seit 2013 Professor für Nachhaltige Finanzwirtschaft an der Universität Kassel, überzeugt. „Es ist genau das, was ich so liebe: aus unserem Wissenschafts-Elfenbeinturm hervorzutreten und ins wirkliche Leben reinzuschnuppern“, sagt er im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung.

Seit sechs Jahren ist der Wissenschaftler Teil des Sustainability Council bei Bayer. Der Beginn war jedoch holprig: Ein Bayer-Mitarbeiter habe ihn nach einem Vortrag auf einer Tagung angesprochen und ihm von den Council-Plänen berichtet. „Ich habe den ausgelacht“, erinnert sich Klein. „Ich habe gesagt, das ist eine nette Idee, aber es wird euch kein Mensch glauben. Da denken alle sofort an Monsanto und an Greenwashing.“ Weitere Gespräche seien ähnlich verlaufen, auch ein Call mit dem damaligen CEO. „Ich habe genau das Gleiche gesagt – dass das nicht funktionieren wird.“ Kurz darauf kam der Ruf in den Beirat. „Ich war wirklich überrascht. Ich hatte nicht verstanden, dass das quasi Bewerbungsgespräche waren“, sagt Klein. Er ist sich sicher: „Die haben mich genommen, weil sie wussten, das ist ein Typ, der unbequeme Fragen stellen wird.“

Sein Lehrstuhl für Nachhaltige Finanzwirtschaft war der erste mit diesem Schwerpunkt in Deutschland. Für seine eigene Forschungsarbeit hat er die Devise „Jetzt erst recht“ ausgerufen. „Deswegen haben wir da feste Systeme, dass wir eben nicht abhängig sind von irgendwelchen Moden, sondern wirklich objektiv das beforschen dürfen, was wir für wichtig halten.“ Er ist überzeugt, dass die Nachhaltigkeitsrisiken im Moment wieder steigen. „All das, was wir jetzt ausbremsen, werden wir eines Tages nachholen müssen.“

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