Sie hat ein Leben geführt, das wie ein russischer Roman klingt: Behütet
aufgewachsen in einer adligen Offiziersfamilie der Zarenzeit, hat die
junge Marianne von Werefkin selbst im Sommerhaus der Familie ein eigenes
Ateliergebäude. Sie ist so begabt, dass sie der berühmteste Maler der
Zeit, Ilja Repin, unter seine Fittiche nimmt. Sie wird schnell so gut
und berühmt, dass man vom »russischen Rembrandt« spricht. Aber dann
lernt sie im Atelier ihres Lehrers den jungen Maler Alexej von Jawlensky
kennen – und ihr ganzes Leben verändert sich.
Sie liebt ihn – und fördert ihn dermaßen, dass sie selbst für ein
Jahrzehnt ihr eigenes Malen einstellt. Schließlich zieht es die beiden
um 1900 nach München, gemeinsam mit Mariannes Dienstmädchen Helene.
Wenig später bekommt Helene ein Kind von Jawlensky – aber sie leben bis
zum Ersten Weltkrieg in dieser unglücklichen Dreiecksbeziehung zusammen.
Vor allem aber werden sie Teil des Blauen Reiters. Genau wie bei einem
anderen berühmten Paar, Wassily Kandinsky und Gabriele Münter, steht
auch hier die Frau sehr lange im Schatten des Mannes. Heute aber werden
ihre traumverlorenen Landschaften der Einsamkeit, ihre kühnen
Farbsetzungen und ihre malerischen Formulierungen von auswegloser
Sehnsucht immer mehr gefeiert – ab Oktober zum Beispiel in einer
großartigen Ausstellung, die im Museum Wiesbaden erstmals die Werke
aller »Blauen Reiterinnen« zeigen wird.
Von all dem erzählen Florian Illies und Giovanni di Lorenzo in der
neuesten Folge des Podcasts Augen zu.
Lob, Kritik, Anmerkungen? Schreiben Sie uns gern an augenzu@zeit.de.
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