Sehr früh wurde sein spektakuläres Maltalent entdeckt – Oswald Achenbach
wurde 1835 schon im zarten Alter von acht Jahren an die Düsseldorfer
Kunstakademie zugelassen. Dort lernte er das genaue Naturstudium. 1841
reiste er zum ersten Mal in den Süden. Und danach noch acht weitere
Male, oft monatelang zog er mit seinen Malutensilien durch ganz Italien.
Die Bilder und die Eindrücke, die er von dort mitbrachte, veredelte er
in seinem Düsseldorfer Atelier zu mächtigen Sehnsuchtsbildern. Was
Goethe mit seiner »Italienischen Reise« am Anfang des 19. Jahrhunderts
literarisch geprägt hatte, setzte Achenbach in Öl auf Leinwand fort – er
schenkte dem Norden Bilder eines friedlichen, bäuerlichen Italiens, das
sich an den Küsten und in den Städten bei aufregender Abendbeleuchtung
zu Festen und Umzügen trifft. Legendär ist vor allem Achenbachs
Fähigkeit, die Luft und das Licht zu malen – bis heute kann man den
Geist Italiens atmen, wenn man seine Bilder betrachtet.
Giovanni di Lorenzo und Florian Illies, die beiden Hosts des Podcasts
»Augen zu«, sind beide seit Langem den Italiendarstellungen Oswald
Achenbachs verfallen. Aber in ihrem Gespräch geht es auch um seinen
älteren Bruder Andreas – künstlerisch ebenso begabt, zog dieser nach
einer brüderlichen Absprache in Europas Norden und schuf sagenhafte
Fjordlandschaften aus Norwegen und raue Küstenszenen aus Holland. Das
funktionierte im 19. Jahrhundert ebenfalls als Sehnsuchtslandschaft –
heute aber scheint nur noch das südliche Arkadien seines Bruders Oswald
die Menschen verzaubern zu können.
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