Ostkinder 80/82
Avsnitt

62 - Anleitung für eine ostdeutsche Identität – Sonderfolge

Dela

Eigentlich wollten wir zwei normale Folgen aufnehmen. Dann saßen wir beim Essen und merkten: Wir müssen erst noch über etwas anderes reden.

Alex war beim Deutschlandfunk eingeladen, um mit Anne Rabe und Justus Geilhufe über die neue Ost-West-Debatte vor den Landtagswahlen zu sprechen. Danach war er nicht unzufrieden, aber auch nicht fertig. Manche Gedanken blieben zu allgemein, für andere fehlten die Beispiele, und zur eigentlichen Frage nach ostdeutscher Identität kam die Runde kaum noch. Also reden wir weiter. Unvorbereitet, ausführlich und mit allen Umwegen, die entstehen, wenn zwei Menschen nicht ihre fertigen Takes vortragen, sondern miteinander denken.

Wir sprechen über „Jammerossis“ und „Jammerwessis“, Geber und Nehmer, die Angst vor einer AfD-Regierung und die Frage, warum „Alles wird gut“ womöglich der wirksamere Wahlkampfsatz ist als die nächste Wutrede. Es geht um CSDs in Thüringen, Social-Media-Empörung, konkrete Folgen von Politik – und darum, warum man plötzlich für fünf Bundesländer Auskunft geben soll, nur weil man dort geboren wurde. Und irgendwann, ganz Ostkinder, kommen wir tatsächlich bei der Identität an: bei Simson, NVA-Suppe, Kettwurst, Bayern, Köln und Erinnerungen, die im Osten selten einfach nur Erinnerungen sein dürfen. Unser vorläufiges Rezept: nicht die eine ostdeutsche Identität, sondern viele. Mit Geschichte, aber ohne Dauerdiagnose. Mit Stolz, aber ohne Ausgrenzung. Und bitte mit mehr Humor.

Am Ende landen wir beim thüringischen Schweigen, kölscher Gesprächigkeit und Wegebier in Rostock.

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