In dieser Schlussfolge besprechen Andreas Hermwille und Stefan Kühl, wo die echten Hebel der Entbürokratisierung liegen – und kommen dabei auf eine Ressource, die im öffentlichen Diskurs kaum vorkommt: die Professionalität von Verwaltungsmitarbeitenden im Umgang mit Regeln, die sich nicht einhalten lassen.
In dieser Folge:
Brauchbare Illegalität: Wer in Verwaltungen, Krankenhäusern oder Armeen arbeitet, weicht täglich von Regeln ab – nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil die Organisation sonst nicht funktionieren würde. Stefan Kühl beschreibt, warum genau diese Fähigkeit das Kennzeichen von Professionalität ist und was passiert, wenn Organisationskulturen sie bestrafen statt schützen.
Regelabweichung als Material: Überall dort, wo alle permanent von einer Regel abweichen, liegt ein Hinweis darauf, dass die Regel selbst das Problem ist. Die Frage ist, ob Organisationen in der Lage sind, dieses alltägliche Wissen für formale Entbürokratisierungsprozesse zu nutzen – und welche Rolle Experimentierklauseln dabei spielen könnten.
Was Organisationsspitzen tatsächlich leisten können: Nicht Steuerung im klassischen Sinne, sondern das Absichern von Räumen, in denen Regelabweichungen sichtbar gemacht und erprobt werden dürfen. Wer als Führungskraft auf brauchbare Illegalität mit Compliance-Reflexen reagiert, verliert genau das Flexibilitätspotenzial, das die Organisation am Laufen hält.
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