Woop! Woop! Zuerst spreche ich heute mit dem Soziologen Florian Butollo über sein Buch „Das knappe Gut Arbeit. Automatisierung, Arbeitskräftemangel und sozialer Konflikt" (Suhrkamp, 2026). Das Paradox der Stunde: Überall wird vor KI-bedingtem Jobverlust gewarnt — und gleichzeitig reißen die Klagen über Fachkräftemangel nicht ab, Pflegestationen kollabieren, Stellen blei-ben unbesetzt. Butollo, Professor für Soziologie an der Goethe-Universität Frankfurt und ehemaliger Sachverständiger der Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz" des Bundes-tags, löst diesen Widerspruch auf: Automatisierung schafft nicht weniger, sondern mehr Arbeit — und damit eine neue Konfliktlinie. Die Frage ist nicht mehr, ob wir genug Arbeit haben. Die Frage ist: Wofür wollen wir angesichts sozialer und ökologischer Krisen unsere Arbeitskraft noch einsetzen — und wer entscheidet das?
Dann spricht der Jurist und Völkerrechtler Michael Riepl über sein Debüt „Ferne Heimat Altmontal. Das Leben meiner Großmutter zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus" (C.H. Beck, 2026). Altmontal — ein deutsches Dorf in der Schwarzmeerebene, heute mitten an der Front des Ukraine-Krieges. Hier wurde Hedwig Krämer 1919 geboren, erlebte Hungersnöte, Verfolgung und Krieg — und entkam 1942 nach Bayern. Mit 75 Jahren begann sie, ihre Geschichte aufzuschreiben. Niemand hatte je danach gefragt. Riepl hat ihre Aufzeichnungen mit eigenen Recherchen vor Ort verwoben — Reisen in die Ukraine zwischen 2018 und 2025 — und daraus ein Buch gemacht, das sich liest wie ein Roman, aber eine wahre Geschichte ist: über Familie, Heimat, Verlust und einen unfassbaren Lebensmut.
Zwei Bücher, ein roter Faden: Was bleibt von einer Welt, die wir kannten — und wer trägt die Last des Wandels?
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