Ein typisches Ballettmädchen sei sie nie gewesen, sagt Tänzerin Sarah
Weber im Podcast »Frisch an die Arbeit«.
»Als ich drei Jahre alt war, habe ich laut Legende
mein Ballettröckchen zerrissen, weil es so langweilig war.« Trotzdem
schickten sie ihre Eltern in die Berliner Tanzakademie an der Deutschen
Oper in Berlin. »Mit acht oder neun Jahren habe ich dann schon auf der
großen Bühne bei Nussknacker mitgetanzt«, sagt Weber – und das
begeisterte sie dann schon.
Als Teenager, so mit 16, 17 Jahren, habe sie gewusst, dass sie Tänzerin
werden wolle. »Ich liebe einfach die klassische Musik und den
athletischen Aspekt.« Für die professionelle Ausbildung ging sie unter
anderem an eine Ballettschule nach Lettland. Dort sei es deutlich
strenger zugegangen als in Deutschland. Der Druck, Leistung abzuliefern,
sei höher gewesen. »Aber am schwierigsten war für mich die
Sprachbarriere, weil man sich ja mit den anderen Schülern nicht
anfreunden kann.« Das harte Training habe sie allerdings kaum gestört,
»ich kann beim Training gut entspannen«, erzählt sie. Und ein gewisser
Druck sei für Spitzenleistungen auch durchaus nötig.
Inzwischen ist Sarah Weber Anfang vierzig, seit mehr als zwei
Jahrzehnten tanzt sie professionell als Gruppentänzerin in mehreren
Compagnien weltweit, unter anderem am Nationalballett in Kairo während
der Zeit des Arabischen Frühlings. Sie wohnte damals nicht weit vom
zentralen Tahrir-Platz entfernt, dort begannen 2011 die Aufstände gegen
das Regime. »Von meinem Balkon im fünften Stock habe ich Schüsse gehört,
ich wusste erst gar nicht, dass es welche waren. Die Ballettdirektorin
rief noch an, dass trotzdem alle zu den Proben kommen sollen, aber
niemand von uns ist mehr hingegangen.«
Danach habe sie sich in Deutschland ein neues Engagement suchen müssen.
»Da gibt es nicht so einen Transfermarkt wie beim Fußball. Wir müssen
allein trainieren und allein zum Vortanzen gehen und auf einen Job
hoffen«, sagt sie. Nur die allerwenigsten schaffen es bis an die Spitze
und werden Solistinnen oder Solisten, »da ist allerdings fast niemand
aus Deutschland dabei«.
Alle Tänzerinnen und Tänzer wüssten außerdem von Anfang an, dass man den
Job nicht bis zur regulären Rente machen könne, der Körper wird vom
Tanzen einfach zu hart beansprucht. »Auch deshalb bin ich immer
mehrgleisig gefahren«, sagt Weber. Neben ihrem Job als Tänzerin
studierte sie Kulturmanagement sowie Deutsch als Fremdsprache und machte
eine Ausbildung zur Tanzpädagogin. Heute leitet sie eine Ballettschule
für etwa 100 Kinder und Jugendliche im Berliner Südosten und gibt dort
auch Kurse.
Im Podcast erzählt Sarah Weber, ob sie eine strenge Lehrerin ist und wie
sich die Anspruchshaltung der Ballettschülerinnen und -schüler verändert
hat. Und ob der klassische Tanz mal eine radikale Modernisierung
bräuchte.
»Frisch an die Arbeit« wird jeden zweiten Dienstag veröffentlicht. Es
moderieren im Wechsel Daniel Erk, Hannah Scherkamp und Elise Landschek.
Das Team erreichen Sie unter frischandiearbeit@zeit.de.
[ANZEIGE] Mehr über die Angebote unserer Werbepartnerinnen und -partner
finden Sie HIER.
[ANZEIGE] Mehr hören? Dann testen Sie unser Podcast-Abo mit Zugriff auf
alle Dokupodcasts und unser Podcast-Archiv. Jetzt 4 Wochen kostenlos
testen. Und falls Sie uns nicht nur hören, sondern auch lesen möchten,
testen Sie jetzt 4 Wochen kostenlos DIE ZEIT. Hier geht's zum Angebot.